
Die Israeliten schuften und ackern in Ägypten für den Pharao und seine Prunkbauten. Sie werden unterdrückt, gefoltert und als billige Arbeitskräfte verheizt: Eine Gruppe von Menschen, die immer noch wie Fremde behandelt werden, in dem Land, in dem sie seit Generationen wohnen. Ohne Zukunft. Ohne Perspektive. Das ist kein Leben.
Bis Gott sich einmischt und klar macht: „Ich habe die Not meines Volkes gesehen, habe ihre Klage gehört. (…) Deshalb will ich sie befreien.“ (Ex 3,7)
Der Gott Israels hat ein Auge auf seine Menschen. Er ignoriert sie nicht, wenn sie in Not sind. An anderer Stelle heißt es: „Der über dich und Israel wacht, schläft und schlummert nicht.“(Ps 121,3-4) Man könnte auch sagen: Gott ist wach. Wachsam gegenüber Ungerechtigkeit und Not.
Auch Jesus ist wachsam. Er ist leibhaftig und lebendig durch die Straßen und Orte seiner Zeit gelaufen. Er ist Menschen begegnet und hat ihnen zugehört. Immer wieder sieht er Ungerechtigkeit und macht offen und laut auf sie aufmerksam. Heute würde man sagen: Jesus war woke. Denn „woke“, das englische Wort für wachsam, ist in den 1930er Jahren genau so entstanden: als Begriff für eine Haltung, die wach und engagiert gegen Diskriminierung einsteht. Menschen, die „woke“ sind, geben denen eine Stimme, die aus rassistischen oder sexistischen Gründen an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. So hat es auch Jesus gemacht: mit den Kindern, mit den Frauen, mit denen, die übersehen werden.
Jesus hat diese Menschen gesehen, hat sie angesprochen und aus ihrer sozialen Achtung gelöst. Er hat sich für Gerechtigkeit eingesetzt und immer wieder deutlich gemacht, dass Gott ihre Not sieht und hört.
Was für ein Trost, dass der Einsatz gegen Ungerechtigkeit ein Grundton Gottes ist, der wachsam und energisch für die Interessen der Unterdrückten einsteht!
Text und Foto: Pfarrerehepaar Koelmann, Katrin Koelmann, Pfarrerin der Ev. Kirchengemeinde Puderbach, Patrique Koelmann, Pfarrer der Ev. Kirchengemeinde Dierdorf
