Verabschiedung von Pfarrer Jörg Eckert

  • 01.10.2026
Superintendent Kowalski, Vorsitzende des Presbyteriums der Kirchengemeinde Feldkirchen-Altwied, Frau Elvira Ewald und Pfarrer Jörg Eckert

„Wo sich Himmel und Erde berühren“:
Abschied von Pfarrer Jörg Eckert

Nach 18 Jahren als Schulpfarrer am Werner-Heisenberg-Gymnasium wechselt Jörg Eckert in
die Kirchengemeinde Bad Neuenahr. Bei seiner Verabschiedung in der Feldkirche wurde
deutlich, wie viele Menschen er in dieser Zeit begleitet hat – in der Schule, in der Gemeinde
und weit darüber hinaus.
Am Donnerstagabend, 24. September 2026, kamen Kolleginnen und Kollegen, Freunde, Familien
sowie Kinder und Jugendliche in der Feldkirche zusammen. Kreiskantor Simon Schumacher und
Björn Shabanagha gestalteten die Andacht musikalisch. Später blieb im Gemeindehaus Zeit für
Gespräche und gemeinsame Erinnerungen.
Viele Stimmen, ein gemeinsamer Gedanke
Superintendent Detlef Kowalski ließ erkennen, dass er Jörg Eckert nur ungern ziehen lässt. Gerade
jetzt würden dessen Erfahrung, Engagement und Verlässlichkeit fehlen. Als „Bruder im Geist“
könne er Eckerts Wunsch nach Veränderung und seinen Schritt in die Gemeindeseelsorge zugleich
gut verstehen.
Auch aus der Schule kamen persönliche Worte. Dorothea Martin, Eckerts katholische Kollegin am
Werner-Heisenberg-Gymnasium, beschrieb ihn als beliebten Kollegen und geschätzten
Gesprächspartner. Augenzwinkernd sagte sie, er sei „katholischer, als man denkt“. Unterschiedliche
Meinungen hätten ihrem guten Miteinander nie im Weg gestanden. Zum Abschied gab sie ihm ein
„Adieu“ mit auf den Weg.
Tim Dunker vom Schulelternbeirat erinnerte daran, wie wichtig Eckert als Vertrauensperson für die
Schülerinnen und Schüler war.
Für die Stadt Neuwied sprach Beigeordneter Ralf Seemann. Er überbrachte den Dank von
Oberbürgermeister Jan Einig und würdigte Eckerts Einsatz für junge Menschen. Er habe ihnen
Toleranz vermittelt und sie ermutigt, diese Haltung weiterzutragen. Jörg Eckert habe in Neuwied
Spuren hinterlassen.
Die Spülmaschine und über 30 Freizeiten
Wie Eckert Gemeinschaft gelebt hat, zeigte eine Erinnerung von Christina Spang. Eigentlich hatte
sie gar nicht mit zur Kinder- und Jugendfreizeit nach Dreifelden fahren wollen. Ihre Mutter
überredete sie schließlich. Als sie dort erlebte, dass sich der Pfarrer auch fürs Ausräumen der
Spülmaschine nicht zu schade war, war die Sache für sie „gebongt“.
Aus diesem Anfang wurden mehr als 30 gemeinsame Freizeiten an der Westerwälder Seenplatte.
Elvira Ewald, Vorsitzende des Presbyteriums Feldkirchen-Altwied, dankte Eckert für seine
jahrelange ehrenamtliche Unterstützung. Als beratendes Mitglied habe er die Gemeinde begleitet
und selbst bei schwierigen Fragen beharrlich nach Lösungen gesucht.
Sung Kim, Pfarrer in Bad Neuenahr, sprach von seiner Freude über die kollegiale Freundschaft, die
zwischen ihnen entstanden ist. Sie bildet eine Verbindung zu Eckerts neuer Aufgabe.
Lehrer – und immer Pfarrer
„Pfarrersein ist für mich eine Berufung, und ich kann mir keinen anderen Beruf vorstellen“, sagt
Jörg Eckert.
Am Werner-Heisenberg-Gymnasium unterrichtete er Religion, engagierte sich als
Verbindungslehrer für die Schülervertretung und war Ansprechpartner in schwierigen
Lebenssituationen. Unterricht und Seelsorge gehörten für ihn zusammen.
In seiner Abschiedspredigt erinnerte er an eine Schülerin der fünften Klasse, die bei einem
Verkehrsunfall ums Leben gekommen war. Die gemeinsame Trauerfeier mit ihrer Familie und
vielen Schülerinnen und Schülern habe er nie vergessen.
Auch die kleinen Begegnungen blieben in Erinnerung. Ein Schüler schrieb ihm zum Abschied,
Eckert habe ihn zum Lachen und zum Nachdenken gebracht – und ihm vor allem das Gefühl
gegeben, gesehen zu werden.
Gemeinde entsteht, wo Menschen zusammenkommen
Neben seiner Arbeit an der Schule engagierte sich Eckert 18 Jahre lang in Feldkirchen-Altwied: bei
Kindergottesdiensten, Taufen, Trauungen und Beerdigungen, bei der Kinderweihnacht und auf den
Freizeiten in Dreifelden.
Besonders am Herzen lag ihm das Krippenspiel in der Feldkirche. Als Weihnachten 2020
Gottesdienste nur unter besonderen Bedingungen möglich waren, stand für ihn fest: „Weihnachten
darf nicht ausfallen.“ Am 23. Dezember fanden deshalb drei Gottesdienste vor der Kirche statt. Die
Orgel spielte „O du fröhliche“ aus der leeren Feldkirche hinaus.
Auch eine Taufe an der Christianshütte und die Taufe dreier Konfirmanden in der Ruine der
Kreuzkirche in Melsbach gehören zu seinen Erinnerungen. Für Eckert ist Gottesdienst nicht an ein
Gebäude gebunden. Entscheidend sind die Menschen, die zusammenkommen.
„Das Wesentliche ist die Gemeinschaft beim Essen, Spielen, Singen, Beten und Lachen – dann
berühren sich Himmel und Erde“, sagt er über die Freizeiten mit Kindern und Jugendlichen.
Im Oktober wird er noch einmal mit 28 Jugendlichen und einem Team aus acht jungen
Erwachsenen nach Dreifelden fahren.
Ein neuer Platz in der Mannschaft
In Bad Neuenahr möchte Eckert mit seinem jungen Pfarrkollegen, einer Prädikantin,
Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen zusammenarbeiten. Seine Rolle beschreibt er so:
„Ich verstehe mich als Pfarrer nicht als Kapitän des Gemeindeschiffes, sondern als Teil der
Mannschaft.“
Pläne gibt es bereits: eine Studienfahrt nach Stockholm, Krippenspiele an Grundschulen im Ahrtal
und das Projekt „SingenPlus mit Kindern“. Dahinter steht derselbe Gedanke, der seine Arbeit in
Feldkirchen geprägt hat: Menschen zusammenbringen und Beziehungen wachsen lassen.
Diese Beziehungen enden auch für ihn nicht mit dem Stellenwechsel. Seine Familie und er werden
zunächst weiterhin in Feldkirchen wohnen. Und als ihn eine junge Frau, die er einst im
Kindergottesdienst kennengelernt hatte, fragte, ob er sie 2027 in der Feldkirche trauen würde, sagte
er Ja.
Was bleibt
Seine Abschiedspredigt stellte Eckert unter den Choral „Wer nur den lieben Gott lässt walten“. Er
erinnerte an Begegnungen im Unterricht, Gespräche am Lehrertisch, gemeinsame Gottesdienste und
Freizeiten.
„Erinnerung ist der Schlüssel zur Dankbarkeit“, sagte er.
Nach der Andacht gingen die Gespräche im Gemeindehaus weiter. In ihnen zeigte sich, was an
diesem Abend viele Grußworte beschrieben hatten: Jörg Eckert hinterlässt in Feldkirchen keine
leere Stelle. Er hinterlässt Spuren – in der Gemeinde, in der Schule und bei den Menschen, die ihm
begegnet sind.
„Alles hat seine Zeit. Es ist Zeit, Abschied zu nehmen. Das tut weh und ist schön.“
Redaktioneller Prüfpunkt: Die von Dorothea Martin als „König Salomo 34/15“ bezeichnete
Bibelstelle ist im Text ausdrücklich als ihre Angabe gekennzeichnet. Die genaue Fundstelle sollte
vor der Veröffentlichung noch geklärt werden.

Text und Fotos: Jörg Knees

  • Beatrix Meyer
  • Red